Der barmherzige Samariter – nicht schon wieder…

Gottesdienst in der Dreisam3 in Freiburg am 11.09.2022

Der barmherzige Samariter ist neben der Erzählung vom verlorenen Sohn vermutlich eine der bekanntesten Gleichnisse aus dem Neuen Testament. Ich habe 12 Jahre in der Diakonie gearbeitet und diesen Text unzählige Male gehört und Auslegungen dazu mitbekommen. Kann es da noch Einsichten geben, die man noch nicht hatte? Mit der Frage bin ich an den Text gegangen – schaut selbst.

Wochenbeginn in Coronazeiten

Eine neue Woche startet, die Epidemie immer noch nicht hinter uns, auch wenn die Zahlen niedrig sind, was vor uns liegt – unklar. Je nachdem, welcher Prognose wir Glauben schenken wollen, wird eine zweite Welle kommen oder nicht…

Und dann die Artikel, die von leisen Hoffnungen berichten: erste Erfolge mit einem Medikament? – Nein, nur in Ausnahmefällen und nicht wirklich nachweisbar…

Aber: erste Impfungen mit Versuchsimpfstoffen bereits im Test an Menschen – die Lösung? – Vielleicht. Viel zu früh, um Entwarnung zu geben…

Woher kommt mir Hilfe? 

Was liegt näher, als in der jetzigen Zeit auf die Wissenschaft zu schielen, weil von dort die Lösung der Epidemie erwartet wird. Von dort kommt alle Hoffnung zu beenden, was unser Zusammenleben so nachhaltig stört und unser persönliches Leben möglicherweise gefährdet.

Gegen die Hoffnung auf ein wirksames Medikament oder eine wirksame Impfung ist nichts einzuwenden. Ich möchte die Sicht gerne erweitern. 

Gott hat uns zwei Augen geschenkt; 
das eine davon lenken wir auf die Wissenschaft und hoffen, dass dort ein Impfstoff oder ein Medikament entwickelt wird, das uns hilft.

Ich lade dazu ein, in dieser besondere Zeit das andere Auge nicht zu vergessen, sondern es weit zu öffnen und nach innen zu richten: woher kommt mir Hilfe? Vielleicht etwas konkreter:
Wie gehe ich mit dieser einschneidenden Erfahrung um, dass mein Leben brüchig ist, dass so ein winziges Ding wie dieses Virus so viel meiner Lebenswirklichkeit von heute auf morgen verändern kann? 
Wie halte ich aus, machtlos zu sein?
Was trägt mich, wenn bisherige Sicherheiten verloren gehen?

Diese Fragen beantwortet kein Impfstoff, kein neues Medikament.

«Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?» (Jeremia 8,4)

Wer würde das nicht wollen: wieder aufstehen in die Normalität eines Lebens – nach Corona… vielleicht sogar noch gestärkt durch die genutzte Chance, im Blick nach innen neu zu entdecken, was trägt.

Jesus spricht: «Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.» (Johannes 6,37)

Wer mit dem inneren Auge nach Hoffnung für sein Leben sucht, den wird Er nicht hinausstoßen. Trost zu erleben in dem Wissen, dass Gott uns nicht abweisen wird, ist kein Wissen, wie man es «naturwissenschaftlich» bekommen oder belegen kann. Das würde vermutlich auch nicht tragen. 
Trost durch Gottes Wort, Trost durch Gebet in seiner Gegenwart, Trost im Blick nach innen auf den eigenen Grund zu erleben führt zu einem Erfahrungswissen, das tragen kann – manchmal auch wider die äußeren Umstände. 

Ich wünsche Ihnen, dass Gott Euch dieses Erfahrungswissen schenkt und Sie gestärkt und mit Zuversicht in die neue Woche gehen könnt!

Zu Gast in der Dreisam3

Für den 26. April 2020 hatte mich die Dreisam3 als Gastprediger eingeladen – noch vor „Coronazeiten“… und hat dann ein, wie ich finde, interessantes Konzept eines „Gottesdienstes zum Selbergestalten“ entwickelt, weil Ende April 2020 Gottesdienste nur noch Online möglich waren. Die Gastpredigt, aufgeteilt in drei Gedanken, durfte ich dennoch halten. Wer Lust hat, etwas über Max Planck und Chauffeurwissen zu erfahren und sich mit einer Frage auseinandersetzen möchte, ist herzlich eingeladen, die Website des Gottesdienstes zu besuchen.

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben…

Motorradgottesdienst in der EFG Trossingen: Motorrad und Christ sein – wie verbindet sich das? In der Predigt gibt es einen Antwortversuch anhand von Joh. 14,1-6.

Gehalten in der Evangelischen Freien Gemeinde (Baptisten) in Trossingen am 30.06.2019

Empörismusfasten

https://www.der-postillon.com/2019/03/skandal.html

Zur Fastenzeit ein vielleicht ungewöhnliches Thema: Faste doch mal Empörismus!
Der Artikel aus dem Postillion fasst alle in jüngster Zeit geschehenen und öffentlich – ich mag schon sagen – ausgeschlachteten Scherze und/bzw. Diskriminierungen (unrechtmäßigen oder als unrechtmäßig empfundenen) über/von Minderheiten, Mehrheiten, Ureinwohner, Doppelnamenträger und Religionen zusammen – und wird wohl deswegen selbst als Artikel darüber als unangemessen disqualifiziert. Erinnert man ein paar weitere der letzten Jahre, fehlen natürlich die Klassiker „Zigeunersauce“, „Mohrenkopf“ oder „Negerkuss“ usw., wobei es Stimmen gab (gibt?), dass der Begriff „Mohr“ in der Literatur doch bitte rückwirkend gelöscht werden solle. Der letztens erschienene Artikel über Frauenparkplätze, deren Beschilderung jetzt in einer Kommune in Oberbayern nicht mehr blau sein soll, weil sie sonst den Eindruck erwecken, sie seien nach Straßenverkehrsordnung verpflichtend für Frauen freizuhalten (was nicht der Fall ist), geht einen Schritt weiter: die Schilder sollen gegen pinkfarbene ausgetauscht werden. Als ich das las, schaute ich in den Kalender: nein, es war nicht der 1. April (und hoffentlich trotzdem nur ein Fake). Ich bin gespannt, wann die nächste Klage kommt, weil Pink und weiblich so etwas von klischeehaft ist, dass das natürlich gar nicht geht… noch dazu suggeriert es vielleicht, dass künftig alle blau ausgeschilderten Parkplätze nur noch für Männer seien. Über den altersdiskriminierenden Seniorenteller im Restaurant habe ich in letzter Zeit keine Artikel gelesen, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden bzw. wieder aufgewärmt werden. Im Tarifrecht ist schon vor mehreren Jahren festgestellt worden, dass die altersgebundene Anzahl an Urlaubstagen (i. d. R.) unrechtmäßig, weil altersdiskriminierend ist. Dass China in den Schulen eine Digitalisierungswelle startet, während, wie ich ebenfalls las, wir erste Grundschulen (!) mit einer Toilette für das 3. Geschlecht ausstatten, macht es nicht einfacher. Der Versuch, künftig mit Unisextoiletten auszukommen, führte jedoch gleich zu der Bemerkung, dass andere dadurch eingeschränkt fühlten, wenn es nur noch Unisextoiletten gäbe. Was soll man sagen…

Mein Eindruck: irgendwie Wahnsinn und wehe, man steht mitten drin in der Empörungswelle, denn eine neue Form des -ismus, der Empörismus scheint zum Standard geworden zu sein. Und alle machen mit (ich auch…, soweit zum eigenen Balken, zur eigenen Nase, zur eigenen Haustür…). Alle Versuche, über (verordnete) Sprachregelungen, gut gemeinte Antidiskriminierungsversuche, bürokratische Akrobatiken usw. eine nicht-diskriminierende Umgebung/Gesellschaft zu schaffen, führen offensichtlich zu Stilblüten der besonderen Art an anderer Stelle – und darüber wird sich dann, mal von rechts, mal von links, mal von oben oder unten empört. Und manchmal wird sich auch über die Empörung empört, wie jüngst das Beispiel von AKK zeigt. Es scheint daher wenig überraschend, dass die Anzahl der Hypertoniepatienten in Deutschland steigt.

Wo aber liegt die Lösung? Diskriminieren wir also munter darauf los all diejenigen, die außerhalb der gesellschaftlichen – wie soll man es nennen? – „Gaußschen Normalverteilung“ liegen? Nein, das kann es nicht sein. Also eingehen auf jede diskriminierende oder auch (nur) als Diskriminierung empfundene Situation und Verordnungen, Gesetze, bauliche Lösungen… schaffen, die dem entgegenwirken? Hm… das scheint mir im Moment der versuchte Weg mit den gerade angezeigten Ergebnissen.

Was ist es, was die (gesellschaftliche) Welt im Inneren zusammenhält? Böckenförde, jüngst verstorben, bemerkte passend und nicht zu Unrecht: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, dass er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben…“ (Hervorhebung nicht im Original).

Es geht scheinbar nicht anders, es liegt an uns, an jedem einzelnen Menschen dieser Gesellschaft, an unserer ganz eigenen „moralischen Substanz“, an meiner und an Deiner, der Du diesen Text liest. Woher aber nehmen wir diese „moralische Substanz“ gerade in einer Gesellschaft, die immer weniger Homogenität aufweist? Das Blöde: auch da sind wir, als Menschen eines freiheitlichen Staates auf uns selbst zurückgeworfen. Als Christ versuche ich, meine „moralische Substanz“ aus meinem Verhältnis zu / aus meinem Verstehen von Gott zu gewinnen, in Seiner Schrift zu lesen und zu verstehen, was sie mir sagen will. Und schon dabei stoße ich in der Diskussion mit Geschwistern an die Grenzen, denn mein Erkennen ist Stückwerk. Weniger Konflikte ergeben sich wenn ich Geschwister erlebe, deren Wissen um das Stückwerk ihrer eigenen Erkenntnis groß ist, denn daraus erwächst Bescheidenheit und Zurückhaltung. Zurückhaltung scheint mir ein Ansatz zu sein, dem Empörismus zu begegnen. Ich nehme mir vor, in der Fastenzeit mal „Empörismusfasten“ zu machen, mal sehen, ob/wie sich mein Blick verändert.

Paar sein – Paar bleiben

Ein Fleisch – das sollen Mann und Frau werden, wenn sie eine Beziehung eingehen. Was aber wird dann, wenn man „ein Fleisch“ ist? In den 1950er Jahren kamen statistisch gesehen auf eine Scheidung 12 Eheschließungen. In den Jahren 2011 – 2017 kamen durchschnittlich noch 2,3 Eheschließungen auf eine Scheidung. In Großstädten beträgt die Scheidungsquote fast 50 % und auch im „frommen Lager“ sind diese Zahlen nicht wesentlich geringer.

Diese Scheidungsquoten legen nahe, dass das „ein Fleisch werden“ noch funktioniert (schließlich werden noch Ehen geschlossen…), das „ein Fleisch bleiben“ allerdings nicht unbedingt. Ist man dort „dem Schicksal“ unterworfen oder kann (und soll?) man an seiner Beziehung arbeiten?

(gehalten am 4.11.2018 in der EFG Gundelfingen)