Sexualpädagogik im Bildungsplan – staatlich verordnete Pornographisierung der Schule?

Das Thema reißt nicht ab, auch wenn es nur eine Minderheit wahrnehmen mag. Gemeint sind die über den Bildungsplan staatlich verordneten, simulierten Sexspiele im Unterricht. So oder so ähnlich beschreiben es die Einen. Die Anderen sprechen von mehr Akzeptanz gesellschaftlicher Wirklichkeit, die sie u. a. in der Vielfalt sexueller Orientierung sehen. Der Streit ist unerbittlich, einen für alle Seiten tragfähigen Kompromiss scheint es nicht zu geben.

Was ist der Anlass? Schon 2014 wurde in Baden-Württemberg über eine „Leitlinie“ im Bildungsplan gesprochen, die quer durch alle Fächer das Thema der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ verankern sollte. Was sich noch relativ leicht liest und ohne weitere Informationen für viele Eltern wohl unter dem Thema „Toleranz“ verbucht und damit „toleriert“ würde, schlägt bei näherer Betrachtung einem Teil der Eltern und Lehrer doch auf den Magen. Manche Lehrer sprechen gar von „Pornographisierung der Schule“.

Nach entsprechendem öffentlichen Druck nahm der damalige Minister Stoch (SPD) den Bildungsplan in BW zur Überarbeitung zurück und machte aus der einseitig für sexuelle Vielfalt einstehenden Leitlinie eine – sinngemäß – Leitlinie für Toleranz. Damit schien der Kampf der Eltern, die in der Leitlinie zur Akzeptanz sexueller Vielfalt auch eine Beschneidung ihrer Erziehungsrechte sahen (Landesverfassung BW Art. 12), da die Schule die Sexualerziehung über alle Fächer hinweg ohne Absprache mit den Eltern übernehmen sollte, für die Politik vorerst zum Ende zu kommen.

KondomführerscheinWeit gefehlt sagen die Gegner: die vielen Bildungsplänen zu Grunde liegende  „neoemanzipatorische Sexualpädagogik“ ist eben nicht vom Tisch.  Vielmehr treibe sie ihr Unwesen weiterhin und dränge sich, zuletzt in Hessen, weiter in die ureigentliche Erziehungsaufgabe von Eltern, indem sie die Sexualerziehung in der Schule in Klassenstufen anbrächte, in denen die Thematisierung den Kindern schadete, wie manche Sexualforscher meinen (siehe unten). Kinder würden einer Sexualität der Vielfalt ausgesetzt, die mit sexuell grenzverletzenden Methoden arbeite, heißt es. „Das ist brandgefährlich“, urteilt Christina Hennen von der Vereinigung Deutscher Psychotherapeuten in der FAZ. Gang Bang, Analverkehr, Spermaschlucken und der „neue Puff für alle“ sind Bestandteile der Aufklärung. Bei manchen Worten müssen Eltern erst einmal googeln um zu wissen, was sie bedeuten. Sexualaufklärung wird auf den Kopf gestellt, die Kinder erklären den Eltern, welche Spielarten der Vielfalt es alles gibt. Leider taucht das Thema „Liebe“ nicht auf. Vielmehr wird einer sexuellen Freizügigkeit der Weg gebahnt, die einer gesunden Entwicklung nicht zuträglich ist. Auch „…entspreche (diese Sexualpädagogik) keineswegs den Fragen von 14 Jahre alten Mädchen und Jungen, wenn sie zum Beispiel für eine Gruppenübung Sexartikel wie einen Dildo, Potenzmittel, Handschellen, Aktfotos und Lederkleidung erwerben sollen.“, heißt es im bereits oben zitierten Artikel. Kurz: am Thema vorbei.

Die Organisation „Demo für alle„, ein von manchen als antimodern und auch oft mit weitaus weniger netten Begriffen bezeichneter Verein, mobilisiert wiederholt Eltern und geht gegen Pläne verschiedener Landesregierungen zur „Sexualpädagogik der Vielfalt“ auf die Straße. Der Autor war selbst bei einer der ersten Demonstrationen in Stuttgart beobachtend dabei und durfte erleben, wie er von Gegendemonstranten als „fundamentalistisches Arschloch“, „homophobes Landei“ oder „Inzuchtergebnis“ bedacht wurde. Für die Gegendemonstranten sind die Gegner der neuen Akzeptanz von sexueller Vielfalt oder der neoemazipatoriachen Sexualpädagogik (siehe unten) von vornherein klar einzuordnen: rückwärtsgewandte, fundamental-christliche, homophobe engstirnige Menschen, die sich dem Zeitgeist verschließen und in die 50er Jahre zurück wollen.

Ein Blick auf die Liste der Gegner allerdings zeigt: weit gefehlt. Namhafte Autoren aus der Biologie wie Ulrich Kutschera, Prof. für Biologie in Kassel und bekennender Atheist, wenden sich ebenso gegen diese Form der Pädagogik sexueller Vielfalt und Gendertheorie („Unter dem Vorzeichen von ´Gender´ komme hier zurück, was schon in der Kinderladenbewegung und der Reformpädagogik als übergriffig erkannt wurde.“, FAZ) wie Jakob Pasttöter, Prof. (US) Dr. phil. von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS).

Das Thema ist also noch nicht vom Tisch. Wer sich des Weiteren schlauer machen möchte, worauf und auf wem diese „neoemanzipatorische Sexualpädagogik“ fußt, der muss erschrecken, denn: zu den pädophilen Verirrungen des Gründers dieser Sexualpädagogik (Helmut Kentler) und deren staatliche Förderung gibt es mittlerweile eine wissenschaftliche Aufarbeitung, über die z. B. der Tagesspiegel berichtet.Tagesspiegel_Missbrauch

Und trotzdem wird diese „Schule der Sexualpädagogik“ nun über die Bildungspläne legitimiert betrieben – quasi als „sexualpädagogisches Experiment“ an einer ganzen Generation. Valide Untersuchungen, wie man es bei einem wissenschaftlichen Projekt erwarten dürfte, auf „vorteilhafte Einflüsse“ dieser Sexualpädagogik, gibt es nämlich nicht. Die Erfahrungen aus Grenzverletzungen der Vergangenheit weisen eher in die andere Richtung. Wenn man die Folgen des damaligen „Kentler-Experimentes“ liest, mag der Ein oder Andere ganz ungute Vermutungen bekommen, über welche negativen Folgen dieser Sexualpädagogik in 25 Jahren Artikel erscheinen und Betroffenen-Hotlines eingerichtet werden müssen. Sollte dies so kommen, wird jemand den (dann ehemaligen) Kindern erklären müssen, wie man sie offenen Auges in diese Situation hat laufen lassen, vielmehr sogar: wie man sie offenen Auges in diese Situation hat bringen können.

Alexander Pollhans, 06. Dezember 2016

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