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Zu Gast in der Dreisam3

Für den 26. April 2020 hatte mich die Dreisam3 als Gastprediger eingeladen – noch vor „Coronazeiten“… und hat dann ein, wie ich finde, interessantes Konzept eines „Gottesdienstes zum Selbergestalten“ entwickelt, weil Ende April 2020 Gottesdienste nur noch Online möglich waren. Die Gastpredigt, aufgeteilt in drei Gedanken, durfte ich dennoch halten. Wer Lust hat, etwas über Max Planck und Chauffeurwissen zu erfahren und sich mit einer Frage auseinandersetzen möchte, ist herzlich eingeladen, die Website des Gottesdienstes zu besuchen.

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben…

Motorradgottesdienst in der EFG Trossingen: Motorrad und Christ sein – wie verbindet sich das? In der Predigt gibt es einen Antwortversuch anhand von Joh. 14,1-6.

Gehalten in der Evangelischen Freien Gemeinde (Baptisten) in Trossingen am 30.06.2019

Empörismusfasten

https://www.der-postillon.com/2019/03/skandal.html

Zur Fastenzeit ein vielleicht ungewöhnliches Thema: Faste doch mal Empörismus!
Der Artikel aus dem Postillion fasst alle in jüngster Zeit geschehenen und öffentlich – ich mag schon sagen – ausgeschlachteten Scherze und/bzw. Diskriminierungen (unrechtmäßigen oder als unrechtmäßig empfundenen) über/von Minderheiten, Mehrheiten, Ureinwohner, Doppelnamenträger und Religionen zusammen – und wird wohl deswegen selbst als Artikel darüber als unangemessen disqualifiziert. Erinnert man ein paar weitere der letzten Jahre, fehlen natürlich die Klassiker „Zigeunersauce“, „Mohrenkopf“ oder „Negerkuss“ usw., wobei es Stimmen gab (gibt?), dass der Begriff „Mohr“ in der Literatur doch bitte rückwirkend gelöscht werden solle. Der letztens erschienene Artikel über Frauenparkplätze, deren Beschilderung jetzt in einer Kommune in Oberbayern nicht mehr blau sein soll, weil sie sonst den Eindruck erwecken, sie seien nach Straßenverkehrsordnung verpflichtend für Frauen freizuhalten (was nicht der Fall ist), geht einen Schritt weiter: die Schilder sollen gegen pinkfarbene ausgetauscht werden. Als ich das las, schaute ich in den Kalender: nein, es war nicht der 1. April (und hoffentlich trotzdem nur ein Fake). Ich bin gespannt, wann die nächste Klage kommt, weil Pink und weiblich so etwas von klischeehaft ist, dass das natürlich gar nicht geht… noch dazu suggeriert es vielleicht, dass künftig alle blau ausgeschilderten Parkplätze nur noch für Männer seien. Über den altersdiskriminierenden Seniorenteller im Restaurant habe ich in letzter Zeit keine Artikel gelesen, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden bzw. wieder aufgewärmt werden. Im Tarifrecht ist schon vor mehreren Jahren festgestellt worden, dass die altersgebundene Anzahl an Urlaubstagen (i. d. R.) unrechtmäßig, weil altersdiskriminierend ist. Dass China in den Schulen eine Digitalisierungswelle startet, während, wie ich ebenfalls las, wir erste Grundschulen (!) mit einer Toilette für das 3. Geschlecht ausstatten, macht es nicht einfacher. Der Versuch, künftig mit Unisextoiletten auszukommen, führte jedoch gleich zu der Bemerkung, dass andere dadurch eingeschränkt fühlten, wenn es nur noch Unisextoiletten gäbe. Was soll man sagen…

Mein Eindruck: irgendwie Wahnsinn und wehe, man steht mitten drin in der Empörungswelle, denn eine neue Form des -ismus, der Empörismus scheint zum Standard geworden zu sein. Und alle machen mit (ich auch…, soweit zum eigenen Balken, zur eigenen Nase, zur eigenen Haustür…). Alle Versuche, über (verordnete) Sprachregelungen, gut gemeinte Antidiskriminierungsversuche, bürokratische Akrobatiken usw. eine nicht-diskriminierende Umgebung/Gesellschaft zu schaffen, führen offensichtlich zu Stilblüten der besonderen Art an anderer Stelle – und darüber wird sich dann, mal von rechts, mal von links, mal von oben oder unten empört. Und manchmal wird sich auch über die Empörung empört, wie jüngst das Beispiel von AKK zeigt. Es scheint daher wenig überraschend, dass die Anzahl der Hypertoniepatienten in Deutschland steigt.

Wo aber liegt die Lösung? Diskriminieren wir also munter darauf los all diejenigen, die außerhalb der gesellschaftlichen – wie soll man es nennen? – „Gaußschen Normalverteilung“ liegen? Nein, das kann es nicht sein. Also eingehen auf jede diskriminierende oder auch (nur) als Diskriminierung empfundene Situation und Verordnungen, Gesetze, bauliche Lösungen… schaffen, die dem entgegenwirken? Hm… das scheint mir im Moment der versuchte Weg mit den gerade angezeigten Ergebnissen.

Was ist es, was die (gesellschaftliche) Welt im Inneren zusammenhält? Böckenförde, jüngst verstorben, bemerkte passend und nicht zu Unrecht: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, dass er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben…“ (Hervorhebung nicht im Original).

Es geht scheinbar nicht anders, es liegt an uns, an jedem einzelnen Menschen dieser Gesellschaft, an unserer ganz eigenen „moralischen Substanz“, an meiner und an Deiner, der Du diesen Text liest. Woher aber nehmen wir diese „moralische Substanz“ gerade in einer Gesellschaft, die immer weniger Homogenität aufweist? Das Blöde: auch da sind wir, als Menschen eines freiheitlichen Staates auf uns selbst zurückgeworfen. Als Christ versuche ich, meine „moralische Substanz“ aus meinem Verhältnis zu / aus meinem Verstehen von Gott zu gewinnen, in Seiner Schrift zu lesen und zu verstehen, was sie mir sagen will. Und schon dabei stoße ich in der Diskussion mit Geschwistern an die Grenzen, denn mein Erkennen ist Stückwerk. Weniger Konflikte ergeben sich wenn ich Geschwister erlebe, deren Wissen um das Stückwerk ihrer eigenen Erkenntnis groß ist, denn daraus erwächst Bescheidenheit und Zurückhaltung. Zurückhaltung scheint mir ein Ansatz zu sein, dem Empörismus zu begegnen. Ich nehme mir vor, in der Fastenzeit mal „Empörismusfasten“ zu machen, mal sehen, ob/wie sich mein Blick verändert.