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Kommentare von Alexander Pollhans

Sexualpädagogik im Bildungsplan – staatlich verordnete Pornographisierung der Schule?

Das Thema reißt nicht ab, auch wenn es nur eine Minderheit wahrnehmen mag. Gemeint sind die über den Bildungsplan staatlich verordneten, simulierten Sexspiele im Unterricht. So oder so ähnlich beschreiben es die Einen. Die Anderen sprechen von mehr Akzeptanz gesellschaftlicher Wirklichkeit, die sie u. a. in der Vielfalt sexueller Orientierung sehen. Der Streit ist unerbittlich, einen für alle Seiten tragfähigen Kompromiss scheint es nicht zu geben.

Was ist der Anlass? Schon 2014 wurde in Baden-Württemberg über eine „Leitlinie“ im Bildungsplan gesprochen, die quer durch alle Fächer das Thema der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ verankern sollte. Was sich noch relativ leicht liest und ohne weitere Informationen für viele Eltern wohl unter dem Thema „Toleranz“ verbucht und damit „toleriert“ würde, schlägt bei näherer Betrachtung einem Teil der Eltern und Lehrer doch auf den Magen. Manche Lehrer sprechen gar von „Pornographisierung der Schule“.

Nach entsprechendem öffentlichen Druck nahm der damalige Minister Stoch (SPD) den Bildungsplan in BW zur Überarbeitung zurück und machte aus der einseitig für sexuelle Vielfalt einstehenden Leitlinie eine – sinngemäß – Leitlinie für Toleranz. Damit schien der Kampf der Eltern, die in der Leitlinie zur Akzeptanz sexueller Vielfalt auch eine Beschneidung ihrer Erziehungsrechte sahen (Landesverfassung BW Art. 12), da die Schule die Sexualerziehung über alle Fächer hinweg ohne Absprache mit den Eltern übernehmen sollte, für die Politik vorerst zum Ende zu kommen.

KondomführerscheinWeit gefehlt sagen die Gegner: die vielen Bildungsplänen zu Grunde liegende  „neoemanzipatorische Sexualpädagogik“ ist eben nicht vom Tisch.  Vielmehr treibe sie ihr Unwesen weiterhin und dränge sich, zuletzt in Hessen, weiter in die ureigentliche Erziehungsaufgabe von Eltern, indem sie die Sexualerziehung in der Schule in Klassenstufen anbrächte, in denen die Thematisierung den Kindern schadete, wie manche Sexualforscher meinen (siehe unten). Kinder würden einer Sexualität der Vielfalt ausgesetzt, die mit sexuell grenzverletzenden Methoden arbeite, heißt es. „Das ist brandgefährlich“, urteilt Christina Hennen von der Vereinigung Deutscher Psychotherapeuten in der FAZ. Gang Bang, Analverkehr, Spermaschlucken und der „neue Puff für alle“ sind Bestandteile der Aufklärung. Bei manchen Worten müssen Eltern erst einmal googeln um zu wissen, was sie bedeuten. Sexualaufklärung wird auf den Kopf gestellt, die Kinder erklären den Eltern, welche Spielarten der Vielfalt es alles gibt. Leider taucht das Thema „Liebe“ nicht auf. Vielmehr wird einer sexuellen Freizügigkeit der Weg gebahnt, die einer gesunden Entwicklung nicht zuträglich ist. Auch „…entspreche (diese Sexualpädagogik) keineswegs den Fragen von 14 Jahre alten Mädchen und Jungen, wenn sie zum Beispiel für eine Gruppenübung Sexartikel wie einen Dildo, Potenzmittel, Handschellen, Aktfotos und Lederkleidung erwerben sollen.“, heißt es im bereits oben zitierten Artikel. Kurz: am Thema vorbei.

Die Organisation „Demo für alle„, ein von manchen als antimodern und auch oft mit weitaus weniger netten Begriffen bezeichneter Verein, mobilisiert wiederholt Eltern und geht gegen Pläne verschiedener Landesregierungen zur „Sexualpädagogik der Vielfalt“ auf die Straße. Der Autor war selbst bei einer der ersten Demonstrationen in Stuttgart beobachtend dabei und durfte erleben, wie er von Gegendemonstranten als „fundamentalistisches Arschloch“, „homophobes Landei“ oder „Inzuchtergebnis“ bedacht wurde. Für die Gegendemonstranten sind die Gegner der neuen Akzeptanz von sexueller Vielfalt oder der neoemazipatoriachen Sexualpädagogik (siehe unten) von vornherein klar einzuordnen: rückwärtsgewandte, fundamental-christliche, homophobe engstirnige Menschen, die sich dem Zeitgeist verschließen und in die 50er Jahre zurück wollen.

Ein Blick auf die Liste der Gegner allerdings zeigt: weit gefehlt. Namhafte Autoren aus der Biologie wie Ulrich Kutschera, Prof. für Biologie in Kassel und bekennender Atheist, wenden sich ebenso gegen diese Form der Pädagogik sexueller Vielfalt und Gendertheorie („Unter dem Vorzeichen von ´Gender´ komme hier zurück, was schon in der Kinderladenbewegung und der Reformpädagogik als übergriffig erkannt wurde.“, FAZ) wie Jakob Pasttöter, Prof. (US) Dr. phil. von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS).

Das Thema ist also noch nicht vom Tisch. Wer sich des Weiteren schlauer machen möchte, worauf und auf wem diese „neoemanzipatorische Sexualpädagogik“ fußt, der muss erschrecken, denn: zu den pädophilen Verirrungen des Gründers dieser Sexualpädagogik (Helmut Kentler) und deren staatliche Förderung gibt es mittlerweile eine wissenschaftliche Aufarbeitung, über die z. B. der Tagesspiegel berichtet.Tagesspiegel_Missbrauch

Und trotzdem wird diese „Schule der Sexualpädagogik“ nun über die Bildungspläne legitimiert betrieben – quasi als „sexualpädagogisches Experiment“ an einer ganzen Generation. Valide Untersuchungen, wie man es bei einem wissenschaftlichen Projekt erwarten dürfte, auf „vorteilhafte Einflüsse“ dieser Sexualpädagogik, gibt es nämlich nicht. Die Erfahrungen aus Grenzverletzungen der Vergangenheit weisen eher in die andere Richtung. Wenn man die Folgen des damaligen „Kentler-Experimentes“ liest, mag der Ein oder Andere ganz ungute Vermutungen bekommen, über welche negativen Folgen dieser Sexualpädagogik in 25 Jahren Artikel erscheinen und Betroffenen-Hotlines eingerichtet werden müssen. Sollte dies so kommen, wird jemand den (dann ehemaligen) Kindern erklären müssen, wie man sie offenen Auges in diese Situation hat laufen lassen, vielmehr sogar: wie man sie offenen Auges in diese Situation hat bringen können.

Alexander Pollhans, 06. Dezember 2016

Abschied von einem Irrtum – BW rüstet die Realschule auf

Da lese ich in der heutigen Badischen Zeitung doch glatt, dass die Realschule besser ausgestattet werden soll. Nun ist es also so weit: Grün-Schwarz verabschiedet sich von einem nicht selten ideologisch diskutierten Konzept der letzten Legislaturperiode (Grün-Rot), der Gemeinschaftsschule. Dass dies quasi durch die Hintertür passiert, nämlich über die Stärkung der Realschule, hat einen politischen Grund: man müsste ansonsten zugeben, dass die Idee, aus dem Drei-Säulen-Modell ein Zwei-Säulen-Modell zu machen, ganz offenbar gescheitert ist. Nun haben wir zukünftig also vier Säulen: die bestehende Werkrealschule, die aufgewertete Realschule, die Gemeinschaftsschule (ggfls. aufgesplittet in „mit Oberstufe“ und „ohne Oberstufe“) und das Gymnasien. Wie sich die Gemeinschaftsschule in diesem Durcheinander entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Wer sein Kind z. B. aus Stigmatisierungsängsten heraus nicht an einer Werkrealschule anmelden wollte und deswegen die Gemeinschaftsschule wählte, wird sich zukünftig fragen, warum er heute die Gemeinschaftsschule und nicht eine Realschule wählen sollte? Beide Abschlüsse unterhalb des Abiturs sind an der Realschule erreichbar und die Schulform hat einen besseren Ruf. Von Gemeinschaftsschulen hingegen liest man, dass sie nicht selten ´Werkrealschulen in neuem Gewand` sind. Wie vertrauensfördernd dies ist, werden wir an der Entwicklung der Schülerströme sehen.
Leider bleiben die Realschulen in privater Trägerschaft bei der angekündigten Stärkung – man kann sagen: wieder einmal – außen vor. Die Erhöhung der Verfügungsstunden, die neu geschaffenen oder umgewidmeten Stellen, kurz: die Erhöhung der Ressource für diese offensichtlich wichtige Schulform, geht an den Schulen in privater Trägerschaft spurlos vorbei. Die ´Kopfpauschale`, nach der sich private Schulen neben dem Elterngeld refinanzieren, wird nämlich nicht automatisch angepasst. Viel mehr müssen Privatschulen in Baden-Württemberg im Moment darum kämpfen, die noch in der letzten Wahlperiode gemachten – übrigens von Grün mitgetragenen – Zusagen einer 80 %-igen Refinanzierung durch das Land auch wirklich zu bekommen. Und das, obgleich in Freiburg z. B. rund 1/4tel bis 1/5tel aller Schülerinnen und Schüler eine private Schule besuchen und viele Impulse für die Entwicklung des Bildungswesens in der Vergangenheit aus dem Privatschulsektor kamen. So kann man natürlich auch Impulsgeber der schulischen Bildung kalt stellen. Schade nur, dass das langfristig auf Baden-Württemberg auch als Wirtschaftsstandort zurückfallen wird.

Brexit – schade… – oder?

Nun ist es tatsächlich passiert, die Briten haben sich mit knapper Mehrheit entschieden, aus der EU auszutreten. „War zu erwarten“, mögen diejenigen sagen, die schon immer alles im Vorfeld wissen, aber sich in der Regel eher still verhalten, wenn sich ihr Wissen nicht bestätigt hat…

Zumindest BMW hat noch keine Ahnung, was denn das alles nun bedeutet. Puh, mag man stöhnen, da ist man mit seinem Unwissen darüber, was denn jetzt genau passieren wird, wenigstens nicht alleine, wenn schon BMW nicht weiß, was…“, ach, sagte ich ja schon.

Gott sei Dank erfahren wir unter dem Suchwort „Brexit“ und „Konsequenzen“ sehr schnell, dass Bosch England, sorry, die Briten, offensichtlich bzgl. seiner Investitionen noch als „sicheres Drittland“ bezeichnet; wobei: der Begriff „sicheres Drittland“ war, glaub ich, auch anders belegt.

Nun sollte man nicht bei den ersten beiden Suchergebnissen stehen bleiben, wenn man mit duckduckgo (alternativ google) versucht, die Welt zu verstehen. Da dürfen wir n-tv doch dankbar sein, dass die Redaktion bereits am Tag des Bekanntwerdens vollumfänglich über die Konsequenzen informieren kann. Nochmals Gott sei Dank, ich kann mich zurücklehnen – oder doch nicht? Da steht etwas von 2.5 Milliarden jährlich (wie viele Nullen war das noch mal – nein, nicht politische, sondern Zahlen…), die nun ggfls. von Deutschland übernommen werden müss(t)en. Da bin ich aber froh, das das meinen Überziehungskredit deutlich sprengt. Bei mir wäre neben Rente mit 69 (oha, hoffentlich kein Freud´scher Versprecher), Rentenniveau 45 % und Höchststeuersatz auch nicht mehr viel zu holen.

Aber mal im Ernst: Zu Recht weiß doch auch unsere kirchliche Elite, die sich in Glaubensfragen oft überraschend zurückhält, was das politisch bedeutet: „Bei der EU geht es doch nicht nur um Bürokratie und Geld. Sie sollte eine Herzensangelegenheit sein…“, lässt Dr. Margot Käsemann  bei Chrismon verlauten. Leider schreiben andere Autoren, dass genau diese Herzensangelegenheit wohl dazu geführt hat, dass England, Mist, schon wieder, dass also die Briten die EU verlassen wollen. Es sei eine Entscheidung aus dem Bauch und gegen die Vernunft.

Am besten gefällt mir im Moment, bei aller Ratlosigkeit, die satirische Auseinandersetzung. Relativ früh am morgen zog ein Bild mit „Union Jack“ durch Facebook mit folgender Aufschrift: „Es liegt jetzt in unserer Verantwortung, dass die liebevoll an die Wand gemalten Panikszenerien auch tatsächlich eintreffen. Sonst könnte sich die Bevölkerung am Ende ja verarscht fühlen, wenn alles nur halb so schlimm ist…“.

Halb so schlimm also? Vermutlich hat noch niemand eine wirkliche Idee, was uns alles erwarten wird. Wie heißt es von den Märkten? Sie reagieren psychologisch, was nicht immer mit vernünftig gleichzusetzen ist.

Vielleicht ist das ein Warnschuss, der uns mehr Demokratie und weniger undurchsichtige Kommissariate mit nahezu unbeschränkter Macht (siehe Griechenladausverkauf) bringt? Oder rücken wir Verbliebenen jetzt enger zusammen, um… ja, was eigentlich zu tun? Neue Normen für den Krümmungsgrad von Bananen am europäischen Markt zu entwickeln? Sprachverwirrungen á la Professix/In_*?? usw. in jedes Gesetz zu integrieren, weil wir keine anderen Probleme haben?

Ich stehe hinter der europäischen Idee, denn in den letzten 150 Jahren hat es in Europa nie so lange Frieden am Stück gegeben, wie seit der Entwicklung einer „Idee Europa“ (wie auch immer sie zu unterschiedlichen Zeiten geheißen haben mag…). Und trotzdem habe ich in den letzten Jahren vermehrt den Eindruck gewonnen, dass zu wenige Realisten und zu viele Idealisten die Zügel in der Hand hatten und Entscheidungen (wie z. B. die Aufnahme Griechenlands in den EURO; eine gemeinsame Währung, ohne gemeinsame Finanz- bzw. Nicht-Verschuldungspolitik etc.) unausgegoren waren und die „Demokraten Europas“ sich zu weit von denen entfernt haben, die sie ermächtigen. Man nannte das mal den Souverän. Ich bin sehr gespannt, was sich nun entwickeln wird – und was der Souverän in den nächsten Jahren noch daraus lernen wird…